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Hintergründe
Die Arche des Geschmacks

Begriffe wie Agro-Biodiversität und Regionalität werden immer aktueller - begleitet von der weiter rasant abnehmenden Artenvielfalt bei Pflanzen und Nutztieren. In den letzten 100 Jahren sind 75% der  Vielfalt an Nutzpflanzen verloren gegangen, ähnlich dramatisch sind die Verluste bei den Nutztier-Rassen. Slow Food hat mit der "Arche des Geschmacks" eine internationale Antwort gefunden. Die Idee: Essen, was man retten will.
Die "Arche des Geschmacks" ist ein internationales Projekt der Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt und ein eingetragenes Warenzeichen von Slow Food International. Sie ist das "Weltkulturerbe" des Essens: eine Liste von Pflanzenarten, Nutztierrassen, lokalen und regionalen Lebensmitteln, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen können oder in ihrer Existenz gefährdet sind. Die Initiative startete Slow Food Italien 1996, um einzigartige und geschmacklich hervorragende Produkte wieder ins Bewusstsein der KonsumentInnen zu bringen.

Die Auswahl der Einträge verantwortet jeweils eine nationale "Arche-Kommission", die alle KandidatInnen und ihre Produkte eingehend prüft und anschließend der internationalen Arche-Kommission vorschlägt.

Für eine Nominierung müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

  • regionale Verankerung bei Geschmack und in der Herstellung
  • aus nachhaltiger Produktion, mit artgerechter Tierhaltung und Pflanzennutzung
  • GVO - frei (keine gentechnich veränderten Produkte)
  • keine industrielle Massenware
  • außergewöhnlich im Geschmack
  • selten im Vorkommen oder vom Verschwinden bedroht.

Momentan umfasst die "Arche des Geschmacks" 830 Einträge aus 52 Ländern, 11 davon aus Österreich.

Die Förderkreise

Ein wichtiges Instrument der "Arche des Geschmacks" sind, neben der Anerkennung als  "Arche-Produkt", die "Förderkreise".

Während bei den Arche-Produkten nur das gefährdete Erzeugnis im Mittelpunkt steht, sind es bei den Förderkeis- (=Presidi)-Produkten  die ProduzentInnen und  ihr Produkt.  Förderkreise sind regionale Zusammenschlüsse, die sich zum Ziel setzen, ein bestimmtes, besonders gefährdetes Produkt von herausragender Qualität,  von regionaler, kulinarischer Bedeutung  und seine ProduzentInnen in vielfältiger Weise zu unterstützen (z.B. durch Bewerbung; sichtbare Verknüpfung mit der Identität der  Region; Entwicklung von Produktionsrichtlinien; durch Finanzierung  der Leistungen, die zur Presidio-Auszeichnung erbracht werden müssen, etc.).

Zentrales Ziel  der Presidio-Auszeichnung durch die Internationalen SLOW FOOD-Stiftung für Biodiversität ist es,  das Produkt  in höchster  Qualität erfolgreich am Markt zu platzieren, damit es auch für zukünftige Generationen erhalten bleibt .

Voraussetzung für die Etablierung eines Förderkreisproduktes sind mehrere ProduzentInnen , die sich mit der SLOW FOOD Stiftung auf gemeinsam erarbeitete Produktionsrichtlinien einigen.  Selbstverständlich müssen diese Produkte  die schon oben aufgezählten Kriterien der Arche des Geschmacks erfüllen.
 Durch Nennung, sowie nationale und internationale Bewerbung  als Presidi- (=Förderkreis-) -Produkte , wollen wir das Wissen um die Erzeugung bestimmter Produkte sichern und Interessensgemeinschaften für ProduzentInnen  schaffen,  die alleine keine Chance am Markt hätten.

Es gibt momentan 300 Förderkreise in 48 Ländern, zwei davon in Österreich.

Das "Arche-Projekt" in Österreich

Slow Food Wien, BIO AUSTRIA, Arche Noah und Arche Austria haben sich 2008 zur  Initiative "Arche-Projekt" zusammengeschlossen. Im Rahmen eines 5-jährigen Projektes werden Bio-Qualitätsprodukte ausgezeichnet, die "regional, biologisch, saisonal und aus traditionellen und wenig verbreiteten Sorten und Rassen in lebensmittelhandwerklicher Verarbeitung und mit geschmacklicher Qualität" in Österreich hergestellt werden. Gemeinsam mit Vertretern der lokalen Slow Food Gruppen beschicken die Projektpartner die nationale "Arche-Kommission Österreich", die für die Produktnominierungen verantwortlich ist.

Projektziele und Ausblick:

  • Förderung kontrolliert biologischer, hochqualitativer, bäuerlich produzierter, handwerklich verarbeiteter Produkte aus alten Sorten und Haustierrassen
  • Unterstützung der ProduzentInnen bei Produktion, Vermarktung und Werbung   
  • Erhöhung der Wertschöpfung durch ProduzentInnen

Bis Ende 2009 sollen zahlreiche  weitere Produkte in die "Arche des Geschmacks" aufgenommen werden und zwei davon sollen  neue Förderkreisprodukte sein.

Projektpartner

Arche Noah

ARCHE NOAH ist eine Nonprofitorganisation, die sich seit 1990 zum Ziel gesetzt hat, seltene und traditionelle Kulturpflanzen zu erhalten. In ihrem Sortenarchiv lagern mittlerweile 6000 verschiedene Kulturpflanzensorten aus Mittel- und Osteuropa. Arche Noah betreibt in Schiltern/Niederösterreich einen Schaugarten, in dem Besucher jedes Jahr hunderte interessante und geschmackvolle Sorten kennen lernen und Saatgut und Jungpflanzen seltener Sorten einkaufen können.
Peter Zipser, Obmann von Arche Noah und Vorsitzender der österreichischen Arche-Kommission, erklärt, warum sich die "Arche Noah" am Arche-Projekt beteiligt: "In den letzten 100 Jahren sind 75% der landwirtschaftlichen Vielfalt verloren gegangen. Wir sehen unsere Arbeit als Antwort darauf. Denn die Vielfalt an Kulturpflanzen ist die Lebensgrundlage für alle kommenden Generationen. Und Lebensqualität für uns alle!"

Arche Austria

Die Arche Austria ist ein Verein zur Erhaltung gefährdeter Haustierrassen. Sie wurde 1988 gegründet, um alte Haustierrassen und ihre einzigartigen Genreserven zu erhalten. Sie unterstützt Züchter mit Fachwissen und die Zuchtverbände mit Infrastruktur. Arche Austria zählt 1.500 Mitglieder.

BIO AUSTRIA - die Biobauern Österreichs

BIO AUSTRIA ist mit 12.955 Mitgliedsbetrieben (14% der österreichischen Landwirtschaftsbetriebe, 16% der bewirtschafteten Fläche in Österreich) und 250 Kooperationspartnern am Lebensmittelmarkt Europas größter Biobauernverband. Der Absatz von Bio-Produkten im österreichischen Lebensmittelhandel hat sich in den letzten Jahren konstant positiv entwickelt. Lag der Bio-Anteil im Jahr 2003 noch bei 3,9% wurden 2007 bereits 5,3% in Bio-Qualität gekauft,  für 2009 werden knapp 6% Marktanteil prognostiziert. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund 8%.
Mit der Beteilung von BIO AUSTRIA an der Arche des Geschmacks werden die Qualitätskriterien für Slow Food Produkte in Österreich um das Prädikat Bio - aus biologischer Landwirtschaft - ergänzt. Für BIO AUSTRIA Geschäftsführer Christoph Gleirscher verbindet das Arche-Projekt Qualität und Geschmack mit ökologischer Produktion und Bio-Genuss:
"Die Biobauern sind die Qualitätsproduzenten in Österreich. Das zeigt sich in den österreichweit strengsten Bio-Produktionsvorschriften für unsere Mitgliedsbetriebe und unserem Umgang mit Umwelt und Natur. Die Bio-Landwirtschaft zeigt, dass es möglich ist, Lebensmittel mit Qualität und geschmacklicher Vielfalt zu erzeugen und gleichzeitig unsere Lebensräume zu erhalten. Die Auszeichnung als Arche-Produkte ist ein Prädikat für ganz besondere Leistungen österreichischer Biobauern."
 
 

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